Vom Schwarzen Meer and Kaspische Meer

Tag 015 (27.11.)

Wir begeben uns in die Stadt Batumi und besichtigen, was es so zu sehen gibt, bzw. was unsere Führerin für angemessen hält. Oft meint man bei den Stadtführungen, dass die Führer nach Anzahl der Worte bezahlt werden  😉

Die erhaltene Information ist meist einfach zu viel, um es wirklich aufnehmen zu können. Jedes Mal die komplette Geschichte der Stadt und des Landes mit den entsprechenden Jahreszahlen und Hintergründen. Aber das soll jetzt nicht nur kritisch klingen. Wir bekommen natürlich einen Eindruck über den geschichtlichen Wandel und die wichtigsten Stätten und Plätze der besuchten Städte. Wir nehmen dazu die von uns empfundene Stimmung der Städte auf und werden diese in unseren Erinnerungen behalten.

Batumi liegt direkt am Meer und auch jetzt noch waren alle Bäume und Büsche in der Stadt saftig grün, dazwischen auch viele Palmen. Es fühlt sich dann auch gleich noch wärmer an.

An der Front zum Meer wurden Betonburgen mit Ferienwohnungen aus dem Boden gestampft. Architektonisch äußerst phatasievoll, z.B. ist an einem Hochhaus ein Riesenrad in die Fassade integriert. An internationalen Hotels ist alles vertreten was Rang und Namen hat. Viele der Gebäude sind von unten bis oben mit Lichtern verziert. Diese sind aber nicht statisch, sondern sie wandern und blinken an der Fassade und wechseln teilweise auch die Farbe – Ein Wahnsinn der Energieverschwendung, sieht aber toll aus. Wenigsten werden sie dann irgendwann in der Nacht abgeschaltet. Das Denkmal von Ali und Nino ( das berühmte christlich-muslimische georgische Liebespaar) ist besonders interessant, da Ali und Nino sich bewegen. Mal stehen sie nebeneinander, mal durchdringen sie sich, ein tolles künstlerisches Konzeot.

Die Altstadt besteht aus fast nur 2-stöckigen Häusern, deren Obergeschosse Unmengen von Holzbalkonen aufweisen, im Parterre sehr oft kleine Geschäfte.

Auch der Hafen in Batumi ist sehr übersichtlich. Für einen so wichtigen Umschlagort am Schwarzen Meer ist er eher winzig. Jetzt verstehen wir auch, dass die Fähren sich an keinen Fahrplan halten können, sondern sich danach richten müssen, wann wieder ein Platz im Hafen frei wird.

Tag 016 (28.11.)

Heute geht es weiter nach Osten, nach Tiflis. Zuerst aber an der Küste entlang nach Norden bevor wir dann nach Osten abbiegen. Unterwegs fällt uns auf, dass man praktisch nie aus geschlossenen Ortschaften herauskommt. Auf der einen Seite der Durchgangsstraße eine Bahnlinie, auf der anderen Seite Häuser die in einer Reihe entlang der Straße stehen. Jedes Haus hat seine eigene Zufahrt, in zweiter Reihe ist nichts, daher wirkt die Gegend trotzdem ausgesprochen ländlich. Irgendwann kommt dann das Ortsende Schild und etwa 20m weiter beginnt der nächste Ort. Also viele Kilometer mit 60km/h zu fahren. Aber bei diesen Straßenverhältnissen möchte man auch gar nicht schneller fahren. Der Staat Georgien ist dabei, eine Ost-West-Autobahn zu bauen, die bereits in weiten Teilen fertig gestellt ist. Auf ihr kommen wir an Industriegebieten aus der sowjetischen Zeit vorbei. Riesige Fabrikanlagen zerfallen vor sich hin, die dazugehörigen Wohnblocks leider auch. 5-6 stöckige Plattenbauten mit seitlich herausstehenden Kaminstummeln, aus denen schwarzer Rauch quillt. Die Bewohner haben auf diese Weise ihre Öfen installiert. Das Fenster über dem Auslass ist natürlich nicht zu öffnen. Der Rauch der unteren Geschosse zieht an der Fassade direkt nach oben. Alles wirkt extrem ärmlich, insbesondere, wenn man direkt aus dem Lichtergewitter von Batumi kommt.

Entlang der Straße verkauft man Obst, um etwas dazu zu verdienen. Kühe werden auf die Weide geführt oder laufen frei, das kann auch auf der Autobahn vorkommen.

Im Bergland ist die Autobahn noch nicht fertig. Deswegen geht es auf Landstraßen entlang eines Tals zu einer Art Pass. Überall wird hier gebaut. Alles ist durchwühlt, Hänge abgetragen, leere Tunnelöffnungen und vereinzelte riesige Pfeiler, auf denen irgendwann mal die Autobahn verlaufen wird. Die Bauschilder sind auch auf Chinesisch beschriftet, ebenso die LKWs. Ein Teil des Projekts Seidenstraße?

In Tiflis ist der Verkehr wild, scheinbar hat niemand einen Führerschein oder die Lotterien geben ihn als Preis heraus. Wir folgen einer 3-spurigen Abzweigung nach links auf der rechtesten Spur. Während des Abbiegens schießt auf der ganz linken Abbiegerspur ein Auto gerade aus und uns direkt vor dem Kühlergrill entlang. Man muss sämtliche Fahrer um sich herum im Blick behalten und versuchen, ihr Fahrverhalten vorauszusehen.

Wir campieren auf einem Berg direkt oberhalb des Stadtzentrums. Leider stellt sich heraus, dass die Zufahrtsstraße gerade neu gemacht wird. Wir müssen uns zwischen Baufahrzeugen hindurch über eine aufgerissene und extrem holperige Strecke quälen. Für ein großes Wohnmobil muss der Bagger sogar noch eine Rampe anlegen, sonst wäre es nicht auf den Platz gekommen. Dafür haben wir einen tollen Blick auf die Großstadt Tiflis, unzählige Hochhäuser erstrecken sich die Hänge hoch, ein Moloch von Großstadt.

Tag 017 (29.11.)

Auch in Tiflis gibt es wieder eine Stadtbesichtigung. Ich fühle mich heute etwas grippig, so bleibe ich im Balu und schlafe fast den ganzen Tag. Ulrike ist mit aufgebrochen und ich werde mir dann die Bilder von ihr ansehen, um feststellen zu können was ich verpasst habe.

Tiflis ist im Zentrum sehr schön, viele Häuser mit den typisch georgischen Holzbalkonen, aber auch viel moderne Architektur, die man sich in den letzten Jahren geleistet hat, was angesichts der Armut des Landes erstaunlich ist. Man scheint italienische Architekten zu bevorzugen. Auch hier schimpft die Führerin über die Politik und die Politiker des Landes und beklagt die Preise für Lebensmittel, die auf mitteleuropäischem Niveau liegen, bei wesentlich geringerem Einkommen und vernichtend kleinen Renten aus der sowjetischen Zeit. Immer wieder wird betont, dass man gerne zur Nato gehören würde und sich Europa nahe fühlt. Oft sieht man an offiziellen Gebäuden und auf Plätzen neben der georgischen Fahne die Europafahne. Die Führerin meinte, damit würde man die Russen ein bisschen ärgern wollen! Diese besetzen nach georgischer Meinung zwei Regionen Georgiens: Südossetien und Abchasien. Dafür ist Stalin der berühmteste Sohn Georgiens!

Sowohl in Batumi als auch in Tiflis und unterwegs fallen die vielen streunenden Hunde auf. In Batumi wurden wir jede Nacht vom Kläffen der jagenden Hunde wach. Die meisten sind markiert, was bedeutet, dass sie geimpft und kastriert sind. Sie sehen erstaunlich gut aus, was wohl daran liegt, dass sie von vielen Leuten gefüttert werden. Bei der Stadtführung in Batumi haben sich uns zwanglos zwei Hunde angeschlossen und so getan, als würden sie zu uns gehören. Sie sind freundlich und überhaupt nicht bedrohlich. Viele ähneln vom Typus her Golden Retrievern oder Schäferhunden, nur kleine Hunde sieht man nicht. Werden die vielleicht von den großen gefressen?

Tag 018 (30.11.)

Von Tiflis geht es heute zur Grenze nach Aserbaidschan. Der Grenzverkehr hält sich in Grenzen, es fahren nur ab und an noch Fahrzeuge über die Grenze, obwohl dies ein wichtiger Grenzübergang ist.

Die Grenzformalitäten sind noch mal einen Tick katastrophaler als in Georgien. Wir können keinerlei Logik im Ablauf der Kontrolle ersehen. Bei der Ausreise aus Georgien müssen die Beifahrer mit ihrem Pass zu Fuß über die Grenze und sich in der Reihenfolge der Fahrzeuge aufstellen. Nach Kontrolle sämtlicher Papiere dürfen dann der Fahrer und das Fahrzeug die Grenze passieren und der Beifahrer wieder einsteigen. Glücklicherweise ist das Wetter gut!

Auf der Aserbaidschanischen Seite gibt es wieder Laufzettel, 4-malige Passkontrolle, Fahrzeugkontrolle (die Besteckschublade hat es dem kontrollierenden Offizier besonders angetan). Wir müssen keine Haftpflichtversicherung wie in Georgien abschließen, aber eine Straßengebühr ist zu entrichten. Fotos werden von uns und dem Fahrzeug gemacht. Der Ton ist ausgesprochen ruppig. Probleme macht die Tatsache, dass ich mit dem Fahrzeug fahre, welches auf Ulrike zugelassen ist. Da Ulrike aber anwesend ist, wird kurzerhand ihr Pass als Fahrer akzeptiert. Mit einem Laufzettel geht es dann mit dem Fahrzeug auf ein großes Tor zu, wo ein letztes Mal die Pässe kontrolliert werden und wir  nach Aserbaidschan einreisen.

Die Straßengebühr hat sich rentiert. Die Straßen hinter der Grenze sind in einem sehr guten Zustand

Sobald wir die Grenze überschritten hatten, zeigt sich die Landschaft in einem völlig anderen Zustand. Einfache aber nicht verwahrlosten Häuser, viele davon mit relativ neuen Fenstern, neue Schulgebäude. Felder und Weiden haben Zäune und die Straßen in den Orten auch Gehsteige. In den Gärten stehen tolle große Kaki-Bäume. Da das Laub komplett abgefallen ist und die Bäume voll mit den rötlichen Früchten sind, sieht das sehr schön aus. Im Tal dir Kakis, im Hinterland Schneeberge.

Jede Ansiedlung ist allerdings bereits aus der Ferne zu erkennen, weil über ihr und um sie herum Rauchwolken schweben. Man schürt seine Öfen und/oder verbrennt Laub im großen Stil. Im Rücken der Dörfer liegt der große Kaukasus mit Bergen bis zu 4000 m Höhe.

Unser Navi spinnt an diesem Tag total  und will uns ständig seitlich in irgendwelche Feldwege oder auf Schotterstraßen leiten. Glücklicherweise hat Ulrike interveniert und mich per Karte sehr gut zum Ziel gebracht.

Wir kommen am späten Nachmittag in Sheki an und sind froh, dass es noch hell ist. Wir müssen nämlich mehrere Kanalschächte umfahren, bei denen die Deckel fehlen. Da möchte man dann doch nicht reinfahren. Neben vielen Straßen gibt es Abwasserkanäle. Ca. 40 cm breit und 50 cm tief. Sie sind nicht besonders markiert, sondern einfach da.

Tag 019 (1.12. – 1. Advent)

Heute besichtigen wir den Shah-Plast in Sheki, ein Sommersitz mit wunderschönen Holzarbeiten und Malereien. Vor dem Palast stehen 2 wunderschöne Platanen aus dem 16-ten Jhdt.

Danach geht es in die Karawanserei, die sich genau gegenüber unserem Stellplatz befindet. Am Nachmittag beschließen wir, den Spa des nahegelegenen Hotels zu nutzen. Das Schwimmbecken ist voll nach meinem Geschmack – ca. 30 Grad Wassertemperatur. Am Abend gibt es dann Gelegenheit Wasser zu bunkern, da wir jetzt ein paar Tage ohne Nachschub auskommen müssen. Ähnlich wie in Kiew kommt ein Tanklastzug zu uns und wir können mit der Gießkanne 10-liter-weise das Wasser einfüllen.

In allen aserbaidschanischen Orten sehen wir viele Leute mit selbst gebundenen Besen, die die Strassen fegten. Auffällig auch die  Laubfeuerchen mitten in der Stadt.

Später am Abend steht dann der 1. Advent ganz unter dem Zeichen „Vernichtung der restlichen Alkoholitäten bevor sie an der Grenze in den Iran weggeschüttet werden. Das wird noch anstrengend werden. Wir holen unseren Weihnachtsbaum aus dem Staukasten und aus einer Bluetooth-Box erklingen Weihnachtslieder. Die Stimmung ist gut, die Weihnachtsdudelei eher nicht nach unserem Geschmack.

Tag 020 (2.12)

Abfahrt nach Baku: Wir fahren von Sheki aus entlang dem Kaukasus nach Osten.

Die etwas höheren Berge sind völlig verschneit. In der Mitte der Strecke fuhren wir durch wunderschöne endlose Laubwälder in denen sich „Restaurants“ mit großflächig verteilten Picknick-Sitzgruppen befinden. Die „Restaurants“ sind meist kleine Hütten mit großen Grills. Es gibt aber auch sehr vornehm anmutende Gebäude, die von kleinen Häusern umgeben sind (Motel-Charakter). Es ist uns ein Rätsel, wer hier in der Freizeit hinkommt, zumal wir uns noch fast 200km vor Baku befinden.

Danach ändert sich die Landschaft sehr schnell und wird zur Steppe. Vereinzelte Kuhherden, Schafe oder auch neu angepflanzte Büsche und Bäume – vermutlich um den Wind zu brechen.

In Baku angekommen brauchen wir starke Nerven. Wir müssen durch die ganze Stadt – der Verkehr ist höllisch. Die Fahrzeuge drängen sich einfach von der Seite her auf andere Fahrspuren, geblinkt wird gar nicht. Wir hätten locker ein paar Fahrzeuge aufschlitzen können. Nach nun 3250 km reiner Fahrstrecke (Fähre über das Schwarze Meer nicht mitgerechnet) erreichen wir unseren Stellplatz am Kaspischen Meer direkt auf der Uferpromenade. Der Wind weht extrem stark, unser Balu wird hin und her geschaukelt. In den Böen beträgt der Wind gute 85 km/h. Aber die Aussicht ist spektakulär!

Mal sehen wie die Nacht so verlaufen wird.

6 Antworten

  1. Hallo Ulrike und Peter, ein bisschen beneiden wir Euch, auch wenn ich nicht ganz sicher bin, ob das für uns das richtige Abenteuer wäre, Knackpunkt bisher für mich war das Essen auf der Fähre :-).
    Ich habe mal -mit Eurem Einverständnis- die Karte mit dem Routenverlauf so angepasst, dass sie überall auch lateinische Schriften zeigt, da ja die wenigsten von uns Georgische oder Persische Schriftsprache beherrschen. Ich wünsche Euch weiterhin einen gut funktionierenden Balu und besseres Wetter als hier in Norddeutschland!

    1. Lieber Jakob,
      Herzlichen Dank für deine Mühe. Die 3,5 Leser unseres Blocks werden es dir sicherlich danken. Ganz besonders die beiden Schreiberlinge von unterwegs.
      Grüße aus dem Niemandsland zwischen Aserbaidschan und dem Iran

  2. Sehr interessant wieder Eure Reiseschilderung. Vielen Dank Peter und Ulrike!
    Wie funktioniert dann die Verköstigung? Landestypische Gerichte? Habt ihr alles gut vertragen?
    Wir wünschen Euch eine gute Weiterreise und sind gespannt auf den nächten Bericht.
    Liebe Grüße!

    1. Mit der Verköstigung ist es einfach. In den Supermärkten gibt es alles zu kaufen wie bei euch in Deutschland. Wir gehen natürlich auch häufiger Essen als daheim und die landestypischen Gerichte sind super lecker. Man muss sich halt von der Currywurst oder dem Schnitzel lösen.
      Grüße
      Peter

  3. Schade um den Alkohol, aber selber zu trinken ist immer besser als wegzuschütten.
    Im eigentlich muslimischen Aserbeidschan scheint Alkohol offenbar (noch) kein Problem zu sein.
    Schon in der Sowjetunion war der georgische Wein ( Грузинское вино) berühmt.
    Erst als es später zu den politischen Konflikten mit Georgien kam, beschlossen die Russen plötzlich, dass georgischer Wein gesundheitsschädlich(!) sein sollte und verboten die Einfuhr.
    So ist das mit unsinnigen Boykott-Maßnahmen! Sie treffen nur die Bürger, aber nicht die Politiker!
    Weiterhin gute Fahrt, vor allem auch im Iran, wo es ja wohl derzeit nicht so ganz ruhig zugeht!!!

    1. …ich frage mich langsam ernsthaft, wieso andauernd Leute ohne Angel und den entsprechenden Fachkenntnissen, an den schönsten Angelgewässern vorbeifahren. 😉

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