Von Odessa nach Batumi

Odessa: 22.11.
Heute Morgen aufgewacht und zu den „Badezimmern“ gegangen: Eiskalter Wind, an unserem Balu hängen unterhalb des Heizungsabgasauslasses die Eiszapfen. Es hat minus 2 Grad und der Wind ist geblieben. Es pfeift aus allen Rohren.
Wir sammelten uns für die Stadtrundfahrt / Rundgang.
Im letzten Moment beschließe ich glücklicherweise meine Trainingshose unterzuziehen. Ulrike nimmt eine Schlafanzughose, da wir beide leider keine Winterwäsche dabei haben.
Wir wurden kreuz und quer durch die Stadt gefahren, am Hafen kamen sich brechende riesige Wellen an und versprühten ihre Gischt – wir im geheizten Bus.
Aber irgendwann kam der Moment der Wahrheit, an dem wir aussteigen mussten. Der Wind pfiff noch heftiger da wir sehr nahe dem tobenden Meer waren und die Düsenwirkung der Straßen die Windgeschwindigkeit noch erhöhte. Wir waren froh über die doppelte Kleidungsschicht. Aber es war so kalt, dass man sich jedes Foto überlegte, weil man dazu die Handschuhe ausziehen musste!

Potemkinsche Treppe
Katharina die Grosse
Blick auf den Stadthafen
Dreh- und Angelpunkt der Welt
Viele Bäume in der alten Stadt

Nach getaner „Arbeit“ suchten wir eines der nahegelegenen Cafés auf, um unsere Körperkerntemperatur wieder in den normalen Bereich zu bekommen. Es gibt viele und schöne Cafés in Odessa.
Danach ging es dann praktisch stufenlos in ein gegenüberliegendes Restaurant um etwas Kräftiges zu Mittag zu bekommen.
Danach trafen wir uns wieder mit der örtlichen Reiseleiterin und gingen gemeinsam die Oper besichtigen. Ein Prunkbau, auf den die Bewohner Odessas sehr stolz sind. Alles vom Feinsten und Teuersten.

Vor der Oper
Opernhaus
Opernhaus
500 m² Vorhangstoff

Zurück bei Balu hatte es jetzt leicht angefangen zu schneien, aber der Wind schien etwas weniger geworden zu sein. Mal sehen wie es morgen aussieht.

23.11

Der Wind hat leider kein bisschen nachgelassen und wir zogen uns wieder mal alle verfügbaren Schalen an Kleidung an.
Wir fuhren heute mit einem kleinen Bus nach Süden. Am morgigen Fähr-Abfahrtshafen vorbei über den Küstendeich des Limans (große Bucht in das Inland). Dort befand sich eine Hochburg des Tourismus vor der Zeit von 2014. Viele Hotels an vorderster Front zum Meer, viele Hotels auch noch in der Entstehung. Allerdings liegt z. Zt. der Tourismus total am Boden und entsprechend desolat wirkt alles. Wir vermuten, dass jetzt vor allem die russischen Touristen ausbleiben. Wir können uns nicht so recht vorstellen, dass es viele Europäer gibt die hier Urlaub machten.
Auf der anderen Seite der Bucht fuhren wir an der Bucht entlang nach Westen zur Akkermann-Festung. Eine bereits aus dem 6-ten Jahrhundert stammende Festung, die partiell gut restauriert ist. Sie liegt auf der einen Seite direkt am Wasser und umspannt ein riesiges Gebiet.


Diese Burg liegt inmitten von sehr ärmlichen Dörfern, ab und an ein paar Ziegen mit Hirten und viele streunende Hunde.

Daneben gibt es hier aber weitreichende Weinanbaugebiete. Der Weinanbau liegt in der Hand eines Privatunternehmers (Millionär aus Georgien), es wurde unheimlich in das Gut „Shabo“ investiert und die gesamte Anlage sieht eher aus wie ein Hightech-Chemie-Unternehmen. Dort stehen reihenweise riesige Edelstahltanks für die Gärprozesse des Weins. Das Ganze wirkt eher wie ein Ufo das in einem 3-te Welt Land abgesetzt wurde – Hightech und absolute Sauberkeit des Geländes im Kontrast zu den ärmlichen Hütten der restlichen Bevölkerung.

Im Museum der „Winzerei“ kann man noch ein paar alte Weinfässer aus Holz sehen. Daneben wird liebevoll in häuslichen Szenen die Geschichte dieser Region dargestellt. Zuerst die Griechen, dann die Schweizer Kolonialisten, dann die Sowjet-Zeit. Eindrucksvoll wird in Bildern der Vergleich zwischen der Sowjet und der heutigen Zeit dargestellt. Es wird neben dem Wein auch Sekt gekeltert und Schnaps destilliert. Alleine an Schnaps entstehen jährlich ca. 3 Millionen Liter. Mit 1300 Mitarbeitern hat das nichts mehr mit unseren fränkischen Winzern gemein.
Geführt wurden wir auf dem Gut von einem sehr strengen, distinguiert gekleideten Herrn der eher den Eindruck auf uns machte ehemals zum KGB gehört zu haben.

Nach einer Weinprobe ging es dann recht spät abends wieder zurück zu unserem Stellplatz am Rand von Odessa.

24.11.

Fertigmachen für die Fähre. Unser Schiff war weit hinter dem Zeitplan. Trotzdem die Aktivitäten wie vor jeder Abfahrt: Toilette entleeren, Abwasser wegbringen, Frischwasser bunkern etc.
Schnell noch die Scheiben waschen, durchfegen, um den häuslichen Pflichten Genüge zu tun. Auf dem Weg zum Hafen noch Euro 6 Diesel getankt und die Gasflaschen füllen lassen.
Die Abfertigung im Hafen war etwas komplizierter als man es sich vorstellt.
Wir fuhren gegen 16:00 an stehenden LKW-Kolonnen vorbei in das Hafengelände und parkten dann vor dem Eingang zum Zollhafen. Unserer Organisatoren hatten sehr viel vorbereitet und die diversen Papiere besorgt.
Die Tickets für die Passagiere gab es in einem Büro der Rederei, das Ticket für die Fracht (unser Balu) musste an einer völlig anderen Stelle gekauft werden.
An der ersten Kontrolle in den Zollhafen mussten wir unsere Pässe, den KFZ-Schein und einen Laufzettel abgeben. Alles wurde sehr lange kontrolliert und schließlich nach vielem Stempeln wurden uns die Papiere und ein neuer kleiner Laufzettel mit Stempel gereicht und wir fuhren zu einem weiteren Sammelplatz innerhalb des Zollhafens.
Nun hieß es wieder warten und wir wurden erst nach ca. 2 Std und mehreren verdrückten Käsebroten zur Passkontrolle gerufen. Wir mussten aussteigen, in den ersten Stock eines Gebäudes gehen und die Pässe, den KFZ-Schein und den Laufzettel vorlegen. Der Laufzettel wurde erneut gestempelt und wir mussten wieder zurück ins Auto. Dann kam ein schwarz gekleideter Beamter, der die Fahrgestellnummer mit der in den Papieren verglich (beim Ducato unter einer Klappe im Radkasten verborgen) und einen Blick ins Wohnmobil werfen wollte.

Weiteres Warten.
Nun hieß es auf einmal, wir sollten mit unserem Gepäck an Bord kommen und dort für unsere Kabine einchecken. Am Eingang zur Laderampe des Schiffes wurden wir von zwei militärisch gekleideten jungen Männer anhand einer Liste namentlich abgehakt – und das bei eisiger Kälte. Das Auto blieb vorerst außen stehen. Nach weiteren Ewigkeiten wurden wir schließlich gegen 01:00 Uhr aufgerufen das Wohnmobil an Bord zu fahren. Am Auto angekommen hatte mittlerweile ein Güterzug an der Nachbarfähre die Zufahrt zu unserem Schiff blockiert – weitere 30 min Wartezeit.
An der Fährrampe angekommen, musste der Laufzettel abgegeben werden und es ging tatsächlich auf das Schiff. Noch auf der Laderampe hieß es wieder stopp. Der Lademeister des Schiffes lief mit einer dicken Kladde herum und suchte die Fahrzeuge, welche noch vor uns zu ihrem Platz gebracht werden sollten. Die Wohnmobile hatten jedoch in der Zwischenzeit die Laderampe blockiert, so dass es für einige LKWs keinen Zugang mehr gab. Wohnmobile wurden umrangiert, bis er nach einer weiteren Ewigkeit die nötigen LKWs geparkt hatte und die Lücken mit den Wohnmobilen füllen konnte. Das Personal an Bord verkeilte die Fahrzeuge, bzw. sie wurden an Spannketten gelegt. Wir bekamen sogar über Spezialadapter Stromanschluss für unser Fahrzeug damit der Kühlschrank weiterlaufen konnte.

25.11.
Gegen 3:00 ging es dann endlich zur Ruhe, gegen 5:30 verließ das Schiff dann den Hafen.
Die Fährkabinen sind sehr rudimentär ausgestattet, aber es reicht zum Schlafen und Duschen. Das Essen ist so eine spezielle Sache. Die Fähre ist im Prinzip eine LKW-Fähre und wir paar Urlauber spielen darin eher eine Nebenrolle. Das Essen wird in Schichten eingenommen. Deshalb hat man für eine Mahlzeit maximal 30 min Zeit. Dann wird abgeräumt und die zweite Schicht wird zum Essen gerufen. Als „first class“ Passagiere speisen wir in einem abgetrennten Bereich mit Sesseln statt Stühlen.
Das Essen steht bereits komplett auf dem Tisch mit allem was dazugehört.

Am Morgen des ersten Tages z.B. eine dicke Wurst mit Rührei –alles fast kalt – Tee und altes Brot mit Butter. Auf Wunsch konnte man sich noch ein Schälchen mit Haferschleim (Porridge) geben lassen.

Tagsüber klarte es auf und die Sonne schien. Wir hatten einen herrlichen Blick auf die Küstenlinie der Krim. Dort befindet sich eine helle Steilküste und etwas später dann recht hohe Bergzüge. Wir genossen die Sonne und den Ausblick bis es uns schließlich zu kalt wurde.
Nach dem Abendessen wurden uns Filme über Georgien angeboten. Ein Film über den kürzlich stattgefundenen Krieg zwischen Russland und Georgien (NDR) fanden wir besonders interessant. Auch hier müssen wir sagen, dass man dieses Thema in Deutschland nicht so recht wahrgenommen hatte. Es war einfach so weit weg und die Region natürlich auch völlig unbekannt.

26.11.
Heute erleben wir wieder einen sonnigen Tag an Bord der Fähre. Die Luft ist deutlich wärmer geworden und man benötigt nur noch Kleidung gegen den recht heftigen Wind.

Wir haben gestern erfahren, dass wir erst abends in Batumi landen werden und die Ausschiffung erst nach dem Abendessen stattfinden wird. Wir dürfen uns also wieder einmal auf eine kurze Nacht, bzw. einen langen Abend einstellen.
Kurzfristig ergab sich für uns noch die Möglichkeit für einen Besuch auf der Brücke bevor es dann zum letzten Essen ging.

Danach mussten wir die Kabinenschlüssel abgeben um im Tausch unsere Pässe zu erhalten.
Beim Einfahren in den Hafen von Batumi konnten wir einen Blick auf die moderne und gut beleuchtete Skyline erhaschen.

Danach dann wieder warten bis die Grenzbeamten an Bord kamen um unsere Pässe, KFZ-Unterlagen und Führerscheine zu kontrollieren. Nach der Passkontrolle durften wir dann zu unseren Fahrzeugen unter Deck. Die LKWs ließen ihre Motoren laufen und die Luft war dementsprechend stickig. Das Unterdeck und die Zugwaggons wurden entladen bevor die grosse Rampe für das Oberdeck heruntergelassen wurde. Jetzt hätte es losgehen können, wenn nicht der Fahrer des ersten Lastzuges gefehlt hätte. Und gerade dieser stand uns Wohnmobilen im Weg. Nach weiterer Wartezeit ging es nun für uns nach unten wo wir uns mit dem Fahrzeug erneut der Passkontrolle unterwerfen mussten. Endlich durften wir von der Fähre fahren und nach knapp 10min Fahrzeit erreichten wir den Stellplatz in Batumi. Es ist der Parkplatz des Hotel Collosseum direkt an der Strandpromenade. Mittlerweile war es 02:00 und wir gingen noch ein kurzes Stück am Meer spazieren um etwas von der Aufregung herunterzukommen.
Die Temperatur lau – in der Nacht ca. 18 Grad – welch ein Kontrast zum Klima in Odessa.

4 Gedanken zu „Von Odessa nach Batumi

  1. Hallo Ulrike und Peter,
    das ist wirklich interessant und spannend, was ihr bisher alles erlebt habt. Die Fotos sind toll, trotz der Kälte. Ich wünsche euch weiterhin eine gute Reise und stabile Nerven.
    zur gleichen Zeit war ich am Roten Meer und auf dem Nilschiff, dort war es auch windig, aber bedeutend wärmer.

  2. Da weiß man doch sehr zu schätzen, was wir an der EU und dem Schengen-Raum haben, wo man ohne große Formalitäten die Grenzen unproblematisch überschreitet!!!
    Weiter gute und sichere Reise!

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