Statusbericht aus Jordanien Teil 2

Eigentlich war geplant, dass wir uns nach ausgiebigen Einkäufen weiter in den Osten des Landes bewegen würden. Am Toten Meer und auch im Norden des Landes sind für die nächsten Tagen heftige Regenfälle vorhergesagt.

Heute morgen, als wir gerade beim Frühstück waren, stellten sich erst einmal sehr viele Polizisten in die Ausfahrt unseres Parkplatzes. Der ist von einer hohen Mauer umgeben, eignet sich also hervorragend als “Gefängnis”. Uns wurde mitgeteilt, dass wir bis auf weiteres nicht den Platz erlassen dürften. Wir konnten zwar die Toiletten in der Lobby des Hotels benutzen, aber weiter ging es nicht mehr. Uns wurde eine Stelle gezeigt wo wir uns mit Frischwasser versorgen können, auch die Entsorgungsfrage der Toilettenkassette wurde geklärt.
Kurz darauf fuhr jedoch Militär auf und es wurde ein Fahrzeug mit einem Maschinengewehr auf dem Dach quer vor die Ausfahrt gestellt. Nun waren wir komplett auf den Stellplatz begrenzt. Einige Zeit später kam der Kommandant (Lieutnant Sultan) und wollte uns alle in das Hotel bringen. Wir weigerten uns und erklärten, dass wir in unseren Autos wohnen würden. Er akzeptierte dies umgehend. Man erklärte, dass uns jemand vom Gesundheitsdienst untersuchen würde und falls alles OK wäre, dürften wir weiterfahren. Das wurde später relativiert, da die Regierung mittlerweile auch den Einheimischen ein Bewegungsverbot auferlegt hat.
Lieutnant Sultan fragte nach unseren Bedürfnissen und es wurde vereinbart, dass wir Einkaufslisten schreiben sollten und dass das Militär alles für uns besorgen würde. Es war dann tatsächlich so, dass wir später am Abend mit unseren Waren versorgt wurden. Es war nicht genau die Bestellung, aber jeder erhielt ein Carepaket inklusive Desinfektionsmittel, Toilettenpapier, Küchenrolle, Äpfeln, Gürkchen, Tomate, Zitronen und natürlich einen großen Kanister Trinkwasser. Das war eine tolle Organisation unserer Guides und des Militärs.

Hinter einem 2-ten Tor (sowieso verschlossen) zu unserem Parkplatz fuhr ebenfalls etwas später ein zweites bewaffnetes Auto vor und blieb dort stehen. Nun sind 8 Soldaten vor Ort, alle mit schusssicheren Westen und Schnellfeuergewehren versehen.

Inzwischen begann es wie vorhersehbar aus Eimern zu schütten, das tut es noch. Vom Gesundheitsdienst liess sich niemand sehen, wir müssen einfach abwarten. Schizophren ist allerdings, dass unser Guide Fouad sich frei bewegen darf, obwohl er die ganze Zeit in engem Kontakt mit uns war.
Die armen Soldaten tun uns leid, da sie im Freien bleiben müssen während wir im geheizten Balu sitzen können. Haben die Angst, dass wir einen Ausbruch versuchen würden?

Brandneu: Gerade hat unsere Reiseleitung den Mssnahmenkatalog der Jordanischen Regierung über die deutsche Botschaft geschickt bekommen. So wie es im Moment aussieht, werden wir wohl die nächsten 2 Wochen auf dem Parkplatz verbringen müssen. Alles Weitere wird sich rausstellen.

Wie Ihr seht haben wir auch den Titel unserer Webseite leicht abgeändert 😉

We keep you posted.

4 Gedanken zu „Statusbericht aus Jordanien Teil 2

  1. Hier wird es auch jeden Tag ein wenig noch kontrollierter; leider haben offensichtlich viele Deutsche immer noch nicht begriffen, wie ernst die Situation ist, besonders dann, wenn man die Bilder von immer noch laufenden Veranstaltungen sieht. Die erste Ausgangssperre wurde in der Oberpfalz ausgesprochen und bestimmt werden weitere folgen, besonders dann, wenn die Menschen sich nicht disziplinieren können. Jordanien ist auch nicht das Traumland in der aktuellen Situation; das Außenministerium in Deutschland erzählt uns, dass in den nächsten Tagen alle Deutschen per Flugzeug ‘heimgeholt’ werden, also halten Sie unbedingt ganz engen Kontakt zur deutschen Botschaft.
    Hoffentlich haben Sie bald Erfolg
    Viele Grüße
    Heribert Löhr

    1. Glücklicherweise sieht die Welt – zumindest in Jordanien – wieder etwas rosiger aus.
      In einer Monarchie ist es natürlich viel einfacher sehr schnell Maßnahmen zu ergreifen und auch durchzusetzen. In Jordanien hat man sehr schnell radikale Sperren eingerichtet, dem Militär die Kontrolle gegeben. Wenn in einem islamischen Land sogar die Moscheen geschlossen werden, so bedeutet das etwas.
      Ich hoffe für die netten Menschen hier, dass die Epidemie gut in den Griff zu bekommen ist.
      Grüße aus der Ferne
      Team Balu

  2. Das klingt ja nicht so gut! Durchhalten, denn das ist vor allem auch eine psychische Belastung.
    Wenn aber das Militär nett ist, seid Ihr wenigsten gut bewacht auch gegenüber evtl. nicht so freundlichen Leuten im Land, die Angst vor Ansteckung haben.
    Seid froh, wenn Fuad sich bewegen darf, denn dann kann er für Euch ggf. auch Erledigungen in Amman machen.
    Wenn Ihr juristische oder sonstige Infos von hier benötigt, gerne mitteilen. Leider kenne ich in Jordanien niemanden.
    Laut Wetter-App, soll das Wetter bei Euch morgen wieder besser und ab Montag auch wärmer werden.
    Hoffentlich reichen der Strom und das Gas!
    Zumindest könnt Ihr Euch so nicht anstecken wie wir hier, wenn wir das Haus verlassen und einkaufen gehen. Dass sogar die Restaurants tagsüber noch offen sein dürfen, kann ich überhaupt nicht verstehen.
    Alles Gute
    Wolfgang M-H

  3. Der Winter ist auch erst am 21. März vorbei. Spass beiseite: Wir wünschen alles Gute. Haltet durch und kommt mit eurem Brimmi wohlbehalten heim.
    Herzliche Grüße
    Roland

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