Von Montenegro nach Serbien

Am Morgen des 22.9. geht es vom Ausgang der Taraschlucht hinüber nach Serbien. Der Campingplatz an der Taraschlucht war der schlechteste bisher: zwei Toiletten und zwei Duschen in einem kleinen Container, innen mit abpellendem Linoleum in Holzimitat verkleidet. Der Slivovitz zur Bergüßung kann diesen Eindruck einer feuchten, dunklen Grotte auch nicht mehr löschen. Aber das Wasser war zumindest warm!

Es ist immer noch wolkenverhangen und kühl und bleibt auch den ganzen Tag so. Wir tanken in der letzten Stadt in Montenegro (bzw. lassen tanken, denn hier wird man noch bedient), Bijelo Polje, weil der Diesel in Montenegro mit 1.21 € billiger ist als in Serbien. Je näher wir der Grenze kommen, umso ärmlicher werden die Ansiedlungen und umso mehr verwilderte Hunde gibt es entlang der Straße. An der Grenze sind wir schnell durch. Niemand interessiert sich für unsere Impfdokumente, dafür müssen wir als Gruppe wegen COVID bei der örtlichen Polizei am Stellplatz angemeldet werden.

Das wollten wir Balu dann doch nicht zumuten

In Nova Varos geht es hoch in die Berge, hier sieht es aus wie im Schwarzwald, nur einsamer. Nahe Nova Varos gibt es viele Hotels, Apartments und Ferienhütten. Aber alles sieht ziemlich geschlossen aus, die Sommersaison ist vorbei und die Wintersaison noch fern.

In sämtlichen Orten entlang des Wegs wird im großen Stil Holz für den Wintergemacht. Ebenso wie in Bosnien und Montenegro wird offensichtlich überwiegend mit Holz geheizt. Die Einstellung zur Müllentsorgung ist in allen Balkan Ländern die gleiche: gerne einfach entlang der Straße vom Auto aus in den Wald werfen. Und wenn der Müll ordnungsgemäß entsorgt wird, ist es auch nicht viel besser. Dann landet er auf offenen Müllhalden, wo er vor sich hin brennt.  

Die nächsten beiden Nächte stehen wir an einer Berghütte oberhalb der ausgedehnten Uvac Schlucht nahe dem Städtchen Sjenica. In Sjenica ist gerade Rush Hour als wir durchfahren, die Kinder steigen aus dem Bus, die Kühe werden heimgetrieben und die Fleischfabrik macht Feierabend. Ein Pferdegespann samt daneben herlaufendem Fohlen transportiert Feuerholz nach Hause. Alles mutet sehr ländlich und sehr östlich an und erinnert uns, abgesehen von der Moschee, an die Ukraine. In dieser Ecke Serbiens ist man nämlich muslimisch.

Die Zufahrt zum Lokal ist ein steiler Schotterweg, aber Balu kämpft sich tapfer durch. Das Parken ist auch nicht ganz einfach, weil wir am Rand des Schotterwegs stehen und es ziemlich uneben ist. Wir häufen noch etwas Schotter unter dem Keil an und dann geht es. Die Aussicht ist jedenfalls super!

Abends ist großes Seabridge Essen im Lokal, die Wirtsleute sind angeblich geimpft und wir sind die einzigen Gäste. Der Tisch biegt sich, auf langen Brettern werden einheimische Spezialitäten serviert, inklusive von Bratwürstchen, die aussehen wir unsere Nürnberger daheim!

Nachts ist es eiskalt und wir sind froh, unseren zusätzlichen Wintervorhang fürs Führerhaus dabei zu haben. Am Morgen ist es nur noch knapp über Null und alles ist voller Raureif.

Morgendlicher Ausblick nachdem sich die Nebel aus der Schlucht auflösen

Am Morgen des 23.9. gibt es eine Jeeptour zum Aussichtspunkt Molitva, von dem aus man die vielen Mäander des Flusses Uvac gut sehen kann. Hierhin kommt man, wie auch an den Rest der Schlucht, nur mit Allradfahrzeugen. Es ist immer noch kalt, aber die Sonne kommt immer mal wieder durch die Wolken. Die Aussicht auf den Fluss ist spektakulär und ganz besonders eindrucksvoll sind die Gruppen von Gänsegeiern. Sie steigen in der Thermik vom Fluss hoch und kommen uns so nahe, dass man die zweifarbigen Flügel und den weißen Kopf ganz deutlich erkennen kann.

So sehen die Geier aus
besser dann in Natura

Am Nachmittag drehen Peter und ich noch eine 6 km Runde. Zuerst hinunter zum Fluss wo es eine Hängebrücke zur anderen Seite gibt und dann in einem weiten Bogen zurück zu unserem Auto.

Abends essen wir nochmals im Lokal. Der Parkranger und einige andere Einheimische kehren hier auch ein, auf einen letzten Schnaps vor der Heimfahrt. Wir fragen nach der Promillegrenze hier im Land und erfahren, dass sie bei Null liegt. Aber man kennt sich hier und solange man noch geradeaus laufen kann ist alles gut.

Am 24.9. geht es zurück zur Hauptstraße. Ereignislos, bis auf eine Begegnung mit Kühen, die hinter einer Kurve plötzlich auf unserer Fahrbahnseite vor uns stehen. Gut, dass man hier nicht schnell fahren darf. Dass viele Einheimische das anders halten sieht man an den unglaublich verbeulten Leitplanken und den vielen Gedenktafeln für Verunfallte.

Stausee am Ende des Canons

Wir fahren wieder nach Norden und biegen dann nach Westen Richtung bosnischer Grenze ab. Heute stehen wir auf einem sehr schönen Campingplatz im Örtchen Krumna. Krumna ist wie viele Orte hier in einem sehr ursprünglichen Zustand, d.h. seit jugoslawischer Zeit ist nichts mehr renoviert worden. Das Angebot im Dorfladen ist klein, aber wir improvisieren mit dem, was es gibt. Am Campingplatz gibt es sogar eine Waschmaschine und einen Trockner, die beide von der Gruppe intensiv genutzt werden. Wir haben leider Platz 4 in der Wäscheschlange! Abends gibt es ein spontanes Zusammensein, weil Annette und Peter ihren 45. Hochzeitstag feiern. Danach fühlen wir uns als Folge des auf leeren Magen konsumierten Slivovitz zum Kochen nicht mehr in der Lage und essen nur noch ein schnelles Brot.

Blick von unserem Campingplatz
Serbisch patriotische Geschenkartikel

Am 25.9. geht es mit dem Bus zum „Sargan Eight“ in Mokra Gora, einer Schmalspurbahn, die sich in unzähligen Kurven und durch 22 Tunnels den Berg hochschraubt. Sie ist Teil der ehemaligen Strecke zwischen Belgrad, Sarajevo und Dubrovnik und wurde 1925 gebaut, heute sind aber nur noch diese 15 km Museumsbahn erhalten. Wir fahren in einem urigen alten Wagon, leider ist keine Dampflok im Einsatz, sondern eine Diesellok. Wir haben glücklicherweise einen Wagen für uns denn keiner der einheimischen Touristen trägt eine Maske oder achtet auf Abstand. Und das bei einer Inzidenz von über 700.

Einige aus unserer Gruppe fotografieren wie die Teufel das immer gleich Motiv des Zuges, wie er um die Kurve fährt. Wann immer man selbst ein Foto machen will, hat man Mitreisende im Bild. Oder eine junge serbische Frau, die ein Selfie nach dem anderen macht. Mit wehendem Haar aus dem Fenster hängend, posierend vor dem Wagon oder der Lokomotive. Das landet sicher alles auf Instagram!

Anschließend fährt uns unser Bus noch zum sogenannten Kustendorf, erbaut vom Regisseur Emir Kusturica für seinen Film „Life is a miracle“. Es gibt einige auf alt getrimmte Häuser im altserbischen Stil zu sehen, aber es ist nicht wirklich sehenswert! Schöner dagegen ist eine kleine Holzkirche am Wegesrand .

Am 26.9. verlassen wir Krumna und fahren immer bergab bis nahe der Stadt Cacak in den kleinen Kurort Ovcar Banja, wo wir auf einem öffentlichen Parkplatz stehen, um am Nachmittag die Schlucht der sieben Klöster zu besichtigen. Uns holen zwei Minibusse ab und zwei Guides, beide enorm motiviert, uns ihre Region nahezubringen.

Im Anschluss an die Tour fragen sie mehrmals, ob wir zufrieden seien und was es gäbe, was sie verbessern könnten. Hierher verirren sich selten ausländische Touristen und man möchte den Fremdenverkehr ankurbeln. Die Klosterkirchen sind sehr klein, sehr alt und sehr schön. Im zugehörigen Konvent wohnen relativ viele (auch junge!) Nonnen. Im Garten gibt es für jeden Besucher ein Glas Wasser und ein Stück süßes Konfekt, das scheint hier üblich zu sein.

Zum Abschluss fahren wir zu einem Aussichtspunkt hoch über der Schlucht, die Straße ist eine ehemalige Bahntrasse mit vielen Tunneln. Einspurig, was den Begegnungsverkehr spannend macht. Mit unseren Wohnmobilen wäre diese Tour nicht möglich gewesen.

Neben diesen beiden Riesen sieht Balu richtig klein aus

Der 27.9. ist ein reiner Fahrtag. Wir umgehen den Kosovo in einem weiten Bogen und übernachten auf einem Campingplatz nahe der Grenze zu Mazedonien. Genau an diesem Tag eskalieren die Spannungen zwischen Serbien und Kosovo und wir sehen unterwegs viel Militär.

Der erste Teil der Strecke ist Landstraße und es geht sehr zäh vorwärts. An der Straße liegen viele Dörfer und Kleinstädte und überall sind Unmengen von Leuten unterwegs, entweder weil Markt ist, oder weil man Besorgungen macht oder ins Café geht. Nur einige wenige alte Leute tragen Masken, ansonsten benimmt man sich als gäbe es kein COVID. Und überall am Straßenrand wird säckeweise frisch geerntete Paprika verkauft. Unglaublich, wie viel Paprika die hier essen müssen! Auf der Autobahn ist das Fahren dagegen dann fast wie Fliegen: kein Verkehr, 130 sind erlaubt und möglich und es gibt keine Schlaglöcher. Der reinste Genuss. Wir fahren aber immer nur ca. 90 – 95 km/h

Abends am Campingplatz essen wir so gut wie bisher noch nie für wenig Geld!

Der Grenzübergang am 28.9. ist schnell erledigt. In Serbien will man ins Auto schauen, in Mazedonien unsere Impfausweise sehen. Wir fahren von einem Land mit Inzidenz an die 700 in eines mit Inzidenz 150! Unser Ziel ist der Matka Canyon nahe der Stadt Skopje. Hinter einem vermüllten kleinen Ort wird es dann sehr schön! Wieder stehen wir auf einem öffentlichen Parkplatz, aber direkt am Fluss am Ende der Zufahrtsstraße. Über uns, versteckt zwischen hohen Bäumen ein weiteres kleines Kloster. Wieder Nonnen, der Konvent wunderschön um einen schattigen Hof gebaut und relativ neu, die Kirche dagegen richtig alt, aus dem 14. Jahrhundert. Wieder winzig klein und innen komplett mit Fresken bedeckt. Ganz toll!

Um 13:00 geht es los zur Bootsfahrt in den Canyon. Ziel ist eine Höhle am Hang über dem Fluss.

Ein Video hierzu findest du HIER

Unser Bootsführer schleppt einen Kanister den Berg hoch, füllt den Tank des Generators und wirft ihn an, um die Höhle für uns zu beleuchten. Schöne farbig beleuchtete Tropfsteine und auch mehrere Seen. Die farbige Beleuchtung gleitet weit ins kitschige ab.

Anschließend bringt der Bootsführer den Teil der Gruppe, der zurücklaufen will auf die andere Seite. Peter und einige andere nicht Schwindelfreie fahren mit dem Boot zurück. Der Weg verläuft nämlich entlang der Felswände weit über dem Fluss und die Geländer sind rudimentär oder fehlen ganz. Ulrike läuft und stellt fest, dass Peters Entscheidung völlig richtig war. Grenzwertig!

Der Weg führt die Wanderer direkt ins Lokal, in dem das Mazedonien Willkommensessen stattfinden soll. Ein sehr schönes, wunderbar gelegenes Lokal mit einer Veranda direkt am Wasser.

Es gibt diverse Vorspeisen, Forelle und ein leckeres Dessert. Unser Timing war optimal, kaum sitzen wir, beginnt es zu regnen! Morgen geht es dann weiter zum Ohridsee.

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